FDP-Kreisverband Oberallgäu - Positionen des Liberalismus
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Selbstbesitz und Vertagsfreiheit
Positionen des Liberalismus
(23.08.2010) Der Liberalismus ist eine der großen geistigen und politischen Strömungen der Neuzeit neben Sozialismus, Nationalismus und Konservatismus. Dabei bewegen sich Liberalismus und Sozialismus, so grundsätzlich gegensätzlich sie auch sind, doch auf einer Ebene. Sie bilden auf dieser gemeinsamen Ebene das große Gegensatzpaar der Moderne. Wie der Sozialismus ist auch der Liberalismus eine universelle Lehre, das heißt, er hat nicht nur eine bestimmte Gruppe von Menschen oder eine bestimmte Region im Blick, sondern die ganze Menschheit. Wie der Sozialismus weist auch der Liberalismus der „sozialen Frage“, also der politischen Ökonomie, eine herausragende Bedeutung zu. Nicht von ungefähr sprach Ludwig von Mises vom Liberalismus oft als von der „liberalen Sozialphilosophie.“ Dagegen spielen Wertefragen, also Fragen der persönlichen Lebensführung, wie sie zum Beispiel für die verschiedenen Spielarten des Konservatismus von zentraler Bedeutung sind, sowohl im Sozialismus als auch im Liberalismus eine untergeordnete Rolle. Sozialismus und Liberalismus haben deshalb in der Regel dasselbe Spielfeld, eben die politische Ökonomie, aber sie spielen in unterschiedlichen Richtungen – das heißt ihre Antworten auf die soziale Frage sind diametral entgegengesetzt: Der Sozialismus setzt auf Planung und Verteilung. Der Liberalismus auf individuelle Entscheidungen und freie Märkte. Es besteht ebenfalls eine Parallele zwischen Sozialismus und Liberalismus und unterscheidet beide vom Konservatismus in der Hinsicht, dass sich beide nicht auf Tradition und Glauben stützen, sondern rationale Begründungen und universell gültige Argumente für ihren Standpunkt in Anspruch nehmen.
So wie sich trotz der Vielfalt der Autoren, Strömungen und Werke ein marxistisches Denkgebäude ausmachen lässt, so lässt sich auch beim Liberalismus ein von vielen Denkern bearbeitetes und in vielen Werken ausgearbeitetes Lehrgebäude ausmachen. Von den klassischen Liberalen bis in unsere Gegenwart, von John Locke, Adam Smith, David Hume und Immanuel Kant bis zu Denkern des 20. Jahrhunderts wie Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek, Walter Eucken und Milton Friedman kann man trotz aller Gegensätze und der durchaus weiten Spannbreite der Auffassungen und nicht zu vergessen auch trotz der persönlichen Dispute zwischen den Protagonisten doch ein relativ geschlossenes System von Überzeugungen und Grundannahmen identifizieren. Worauf stützt sich dieses Lehrgebäude. Fangen wir mit einer ganz banalen Aussage an, die niemanden von Ihnen unbekannt ist: „Jeder hast das Recht alles zu tun, ohne die Rechte anderer zu verletzen.“ Punkt. An dieser Stelle könnte ich meinen Vortrag eigentlich schon beenden, denn damit ist eigentlich das Wesentliche schon gesagt. Wenn Sie diesen Satz unterschreiben können, können Sie sich glücklich schätzen und sich bescheinigen lassen, dass Sie heute hier vollkommen richtig sind, denn dann sind Sie ein Liberaler. Wenn man diese Aussage akzeptiert, dann findet man auf 95-Prozent aller Probleme dieser Welt eine liberale Antwort. Für die übrigen 5 Prozent finden Sie Regalweise theoretische Literatur. Entscheidend ist hier die Erkenntnis, dass die liberale Position auf einer Reihe einfacher ethischer Grundprinzipien aufgebaut ist wie zum Beispiel Selbstbesitz, Eigentumsrecht, Vertragsfreiheit, Meinungs- Gewissens- und Glaubensfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz.
Der Aufbau eines komplexen Gedankensystems beginnt oft mit einfachen Fragen, die einem banal erscheinen mögen, deren Beantwortung aber sehr weitgehende theoretische und politische Konsequenzen haben kann. Dazu gehört die Frage: Wem gehört ein Mensch? Der Gesellschaft, seinen Eltern, seiner Religionsgemeinschaft, seinem Gutsherren, seinem König? In Europa war man spätestens im 17. Jahrhundert soweit sich solche ketzerischen Fragen zu stellen und auch heute ist diese Frage, durchaus von erheblicher Brisanz. Denn die Vorstellung, dass der Mensch doch wenigstens zum Teil der Gesellschaft gehört, ist implizit in vielen politischen Ansätzen und moralischen Vorstellungen vorhanden. Die Antwort die liberale Denker auf diese Frage gegeben haben lautet aber: Ein Mensch gehört sich selbst. Das ist das Prinzip des Selbstbesitzes, also des Eigentums an der eigenen Person. Einer der Väter des modernen Liberalismus, der englischer Philosoph John Locke (1632-1704) schrieb: „Wenn die Erde und alle niederen Lebewesen wohl allen Menschen gemeinsam eignen, so hat doch jeder Mensch ein Eigentum an seiner Person. Über seine
Person hat niemand ein Recht als nur er allein.“Sie interessieren sich für den ganzen Artikel ?
Bitte wenden Sie sich an unsere Kreisvorsitzende, Gisela Bock (08375-921 563). Gerne senden wir Ihnen den Gesamttext einer Rede vom 10.10.2010 von Gérard Böknekamp